Am 24. 07. 2026 im Amtsblatt von LE


Pik Dame

Früher wurden den Buben, Damen und Königen be­son­deren He­ro(in­nen) zu­ge­ord­net. So sollten die Könige in Kreuz, Pik, Herz und Karo die Herrscher Alex­an­der der Große, David, Karl der Große und Caesar symbolisieren; bei den Damen sind dies Argine, Pallas Athene, Judith und Rahel, wobei Argine nicht existent, sondern nur eine Um­stel­lung des Wortes Regina = lat. Königin ist. Hier war Pik Dame in Gestalt von Athene mit Abstand die herausragende Persönlichkeit, denn als Tochter der klugen Metis verstrahlt sie Verstand zusammen mit stra­te­gi­schem, vor­aus­schau­en­dem Handeln, ist gegen die Liebespfeile von Eros (= lat. Amor) immun und begeistert sich für Kunst, Handwerk, Eulen und Oliven sowie Orest und Odysseus.

Später verblassten diese positiven Eigen­schaf­ten. Viel­leicht lag dies an der schwar­zen Farbe „Pik“, vielleicht galt die Lan­zen­spitze (das Zeichen für Pik auf Spiel­kar­ten) als Be­dro­hung, vielleicht waren es Pusch­kins Worte „Die Pique Dame bedeutet heimliche Böswilligkeit“, viel­leicht brauch­ten Wahr­sa­ger(in­nen) beim Kar­ten­le­gen ein Symbol für ne­ga­ti­ve Eigen­schaf­ten? Auf jeden Fall wechselte das Ansehen der Pik Dame von „er­stre­bens­wert“ zu „ver­däch­tig“. Dies zeigt sich z.B. in dem Stich­ver­mei­dungs­kar­ten­spiel „Hearts“ (Herzen): Hier zählt jede Herzkarte im Stich einen Mi­nus­punkt, in der weit­ver­brei­te­ten Va­rian­te Schwarze Dame („Black Lady“) wird, wer die Pik Dame gewinnt, jedoch mit 13 Minus­punk­ten hoch bestraft.

Aber im württembergischen Kar­ten­spiel Binokel wird die Pik Dame weiterhin gern gesehen; denn die Kar­ten­kom­bi­na­tion „Pik Dame + Karo Bube“ ist im Spiel 40 Punkte, in doppelter Form sogar 300 Punkte wert. Diese Son­der­stel­lung ver­dankt die Pik Dame vermutlich der be­son­deren grafischen Dar­stel­lung: Die Pik-Dame und der Karo-Bube waren bei manchen Kar­ten­decks die einzigen Fi­gu­ren, die vollständig im Profil dar­ge­stellt wurden, d.h., bei allen anderen Figuren war stets das Augen­paar sicht­bar. Die beiden Karten bildeten dann die einzigen „Einäugigen“; zu­sam­men haben sie also 2 Augen = bin oculi --> Binokel ?

Foto: Pik Dame und Karo Bube

Kennen Sie weitere Erklärungen und Einsichten? Bitte melden beim Deutschen Spielkartenmuseum! Am bes­ten be­su­chen Sie uns persönlich in der Schön­buch­straße 32 in Leinfelden! Das Schau­de­pot ist jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr geöffnet sowie mit Führung, Vortrag und Kuchen auch am Sonntag, dem 2.8.2026 von 14 bis 17 Uhr. Kontakte: Tel. 0711 7560 120.

www.foerderverein-spielkartenmuseum.de, spielkartenmuseum@le-mail.de 

Tel. 0711 7560 120

(V. Claus)

nächster Beitrag