Am 30. 01. 2026 im Amtsblatt von LE


Kiebitzen

Wer Experte für ein Kartenspiel wer­den will, muss an­fangs viel kie­bit­zen! Die Regeln eines Spiels sind meist in­ner­halb weniger Stun­den komplett zu begreifen, aber sich bei einer der Billiarden von Billiarden Spiel­si­tua­tionen optimal zu ver­hal­ten, erfordert Erfahrung, die am leich­testen beim „neugierigen Schau­en in ein fremdes Kartenspiel wäh­rend des Spiel­ver­laufs“, also beim Kie­bit­zen er­wor­ben wird. 


Schauen wir uns einmal einen Kiebitz ge­nauer an:

Brockhaus 1898, Bd 15, S.310

Foto: Eigenes Foto

Der Kiebitz ist ein 30 cm langes neu­gieriges Wesen, liebt feuchte Wiesen, kühne taumelnde Flug­be­wegungen, lau­tes nasales „kie-wit“ oder gedehnteres „kie-rwie“. Was (außer der Neugier) hat dieser Vogel mit Leuten, die kie­bit­zen, zu tun? Richtig: nichts. Denn das Verb „kie­bit­zen“ stammt nicht von die­sem Vogel, sondern vom Wort „kiewischen“ aus der Gauner­spra­che mit der Bedeutung „durch­suchen“ oder vom jiddischen Wort „kibitsen“ für „sich mit unerbetenen Ratschlägen ein­mischen“. 


Menschliche Kiebitze, die nur so rum­ste­hen, gelten als Gefahr; denn sie können die Karten, die jemand in der Hand hält, ihrer Umgebung signalisieren. Zum Bei­spiel kann „rechte Hand am zweiten Hemd­knopf“ so viel be­deuten wie „in diesem Blatt ist der Herz-König“ oder ein abgespreizter Finger kann beim Pokern besagen „hier sitzt ein Full House“ - je nach vorheriger Ab­sprache. 


Die hohe Kunst des genialen Betrügens erlangen Sie jedoch erst mit Hilfe der Kryptografie, vollendet dar­ge­stellt von Roald Dahl in „Mein Herzblatt“ [z.B. im Buch „und noch ein Küsschen!“, 2013, Seite 70 ff.]. Dann versteht auch jede(r) sofort, warum Pokerspieler ihre Karten immer so unglaublich heimlich im Schutz der Tisch­platte anvisieren und nicht mit­ein­an­der sprechen, hüsteln oder blin­zeln dürfen. 


Unsere Spielkarten im DSM lieben es jedoch, sich Ihnen offen zu zei­gen. Das Schaudepot ist mitt­wochs von 14 bis 17 Uhr und zu­sätz­lich an jedem ersten Sonn­tag im Monat geöffnet. Besuchen Sie uns also am 1. Februar ab 14 Uhr in der Schön­buch­straße 32 und brin­gen Sie Ver­wandte und Freun­de mit! Tel. 0711 7560 120

www.foerderverein-spielkartenmuseum.de, spielkartenmuseum@le-mail.de